Das Böse - Freund der Drehbuchautoren

Das Böse schreibt Geschichten. Denn es weckt Gegenkräfte, weil es eingegrenzt werden muss.

Die Drehbuchautoren sollten sich aber nicht auf die Seite der Gegenkräfte positionieren, sondern mehr auf der Seite des Bösen stehen, indem sie das Freundschaftsangebot beantworten. Je besser nämlich das Böse ausgeleuchtet wird, desto interessanter die Krimis. Die Zuschauer schauen diese Geschichten nicht nur deshalb, weil sie sicher sind, dass das Fernsehen am Ende das Böse hinter die Grenze zurückgedrängt hat, sondern auch, weil sie etwas über sich selbst erfahren.

Wer das Böse auch hochschätzen sollte, sind die Religionen. Denn sie gibt es als verfasste Größe nur wegen des Bösen. Denn ohne den Sündenfall wäre der Mensch bei allem was er fühlt, denkt und tut in Übereinstimmung mit Gott, eben im Paradies. Wenn Adam und Eva nicht vom Baum der Erkenntnis gegessen hätten, dann hätten sie zudem den Unterschied von Gut und Böse gar nicht entdecken können. Da es diese Sündenfallgeschichten bei allen Völkern gibt, erschließen sie die Tiefen der Selbstwahrnehmung. Drehbücher können diese Tiefenschichten mehr ausloten. Diese Mythen sind allerdings sehr abstrakt gehalten. Wie das Böse zwischen den Menschen aufkeimt, muss man dem Bösen auch entlocken. Es liegt auch in der Condition humaine begründet. Die Religionen suchen hierfür nach Erklärungen, brauchen aber die Einsichten der Psychologie, um zu einem Verständnis zu kommen. So hat das Christentum bis zu René Girard keine befriedende Erklärung gefunden, warum Jesus sterben musste.  Auch hier kann der Zuschauer in seinen Tiefenschichten angesprochen werden, denn wie das Böse entsteht, wissen wir, oft schon als Kind.

Dr. Eckhard Bieger SJ ist beim Krimifestival am 15. März um 17h in Wiesbaden

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