19. Symposium in Rom

In krisenerschütterten Zeiten ist die Frage nach glaubwürdiger Hoffnung, jenseits bloßer Versprechen als transformative Kraft, schwer zu beantworten. In Rom wurde der Versuch als gelungen wahrgenommen. Das Symposium verband hohe Professionalität mit einer offenen und persönlichen Atmosphäre

19. Symposium in Rom zum Thema “Hoffnung im Film” 

 

Die Begrüßung zum TOP: Talente - Symposium in Rom zum Thema „Hoffnung im Film“ von
Wolfgang Cimera, Geschäftsfüher Network Movie, Vorstandsvorsitzender TOP: Talente  
veranschaulicht das Thema und umreißt die Schwerpunkte der Tagung.

"Mit fünf Fragen oder Thesen möchten wir diese Veranstaltung für Sie eröffnen. Da wäre zunächst einmal:
Warum haben wir uns zu dem diesjährigen Symposium für das Thema „Hoffnung / Hoffnung im Film“ entschieden 
und warum ist dieses Thema vielleicht für Erzähler und Filmemacher wichtiger als in den vergangenen Jahren?

Hoffnung scheint in einer Welt der Polykriesen und Bedrohungen naiv zu erscheinen.
Und doch gilt: Wer nicht mehr hoffen kann, hat aufgegeben.
Aber was ist Hoffnung eigentlich? Wie entsteht Hoffnung?
Ist Hoffnung eine naive Illusion, eine umstrittene Tugend oder eine mutige Entscheidung? Wir freuen uns auf den Vortrag von Prof. Jeane Pierre Wills,
der uns hierzu einige interessante Antworten liefern könnte mit seinem Vortrag, „Was Hoffnung bedeutet und warum wir sie brauchen“.

Hoffnung scheint heute fast ein verdächtiges Wort zu sein, beinahe weltfremd. Wer hofft, so heißt es, verkennt die Realität.
Wer hofft, schaut nicht genau hin. Wer hofft, verdrängt und wartet auf etwas, was wahrscheinlich nicht eintreffen wird.
Aber stimmt das wirklich? Oder ist Hoffnung vielleicht gerade dort notwendig, wo die Realität am härtesten ist?
Hierzu kann uns Phoebe Gaa, Studioleiterin des ZDF in Istanbul, vielleicht etwas mehr erzählen.
Denn eines scheint ebenso wahr zu sein:
Wer nicht mehr hoffen kann, hat innerlich aufgegeben, der glaubt nicht mehr, dass das eigene Handeln einen Unterschied macht.

Also stellt sich eine erst unbequeme Frage: Ist Hoffnung wirklich naiv – oder ist Hoffnungslosigkeit die eigentliche Kapitulation?
Wenn wir über Hoffnung sprechen, sprechen wir oft so, als wäre sie etwas, das man hat oder nicht hat. Als wäre sie ein Zustand:
heute hoffnungsvoll, morgen hoffnungslos. Doch vielleicht ist das bereits ein Missverständnis.
Vielleicht existiert Hoffnung als solche gar nicht. Vielleicht ist Hoffnung nichts Vorgefundenes, sondern etwas Gemachtes.
Etwas, das nicht einfach da ist – sondern entsteht.

Aber dann stellt sich die nächste Frage: Wenn Hoffnung nicht existiert, sondern geschaffen wird – wer ist dann dafür verantwortlich?
Wir leben in einer Zeit, in der wir gelernt haben, Probleme zu analysieren. Wir können Risiken benennen, Bedrohungen quantifizieren,
Szenarien entwerfen. Wir wissen sehr genau, was alles schiefgehen kann. In einer transparenten und vielstimmigen Gesellschaft sollten
wir uns der Folgen unserer Entscheidungen bewusst sein. Manchmal zu bewusst, um danach überhaupt noch ins Handeln zu kommen.
Ich freue mich auf den Vortrag von Prof. Felix Heidenreich, „Wenn Hoffnung politisch wird“ , um mehr darüber zu erfahren.

Aber Hoffnung entsteht nicht aus Analyse allein. Sie entsteht auch nicht aus bloßem Optimismus. Hoffnung ist nicht das blinde
„Es wird schon gutgehen“. Hoffnung weiß um das Risiko des Scheiterns – und handelt trotzdem. Also vielleicht müssen wir anders fragen:
Ist Hoffnung weniger ein Gefühl – und mehr eine Haltung? Eine Haltung, die sagt: Ich sehe, was ist. Und trotzdem entscheide ich mich,
nicht zynisch zu werden. Nicht gleichgültig. Nicht passiv.Denn Zynismus ist bequem. Er schützt vor Enttäuschung. Wer nichts erwartet,
kann nicht enttäuscht werden. Aber er hat seinen Preis: Zynismus lähmt. Hoffnung dagegen macht zwar verletzlich – aber sie bewegt.

Damit kommen wir zu einer weiteren entscheidenden Frage:
Was riskieren wir, wenn wir hoffen – und was verlieren wir, wenn wir es nicht tun? Vielleicht ist Hoffnung genau dieser riskante Zwischenraum:
Zwischen Wissen und Nichtwissen. Zwischen Angst und Handlung. Zwischen dem, was wir kontrollieren können, und dem, was wir loslassen müssen.
Spätestens hier sollten wir als Kreative und Filmemacher aufhorchen, denn in diesen Zwischenräumen ist Kunst zu Hause, fühlt sich wohl.
Hoffnung hieße dann nicht, sicher zu sein. Hoffnung hieße, sich trotzdem einzulassen.

Das führt zu einer letzten, vielleicht der wichtigsten Frage:
Was wäre, wenn Hoffnung nicht darin besteht, an ein gutes Ende zu glauben –
sondern daran, dass unser Einsatz Bedeutung hat, unabhängig vom Ausgang? (Lech Wa??sa)
Dann wäre Hoffnung kein Versprechen. Keine Garantie. Sondern eine Entscheidung, immer wieder neu. Eine Entscheidung gegen Resignation.
Gegen das innere Aufgeben. Für die Möglichkeit, dass Sinn nicht gegeben ist – sondern entsteht. Vielleicht ist Hoffnung dann am Ende
nichts anderes als der leise Satz: Ich bin noch nicht fertig. Wir sind noch nicht fertig. Ich habe noch etwas zu sagen, zu erzählen.
Und die Frage, die bleibt, richtet sich dann an jede und jeden von uns:
Wo in meinem Leben – und in unserer gemeinsamen Welt – bin ich bereit, Hoffnung nicht zu erwarten, sondern zu erzeugen?
Vielleicht durch eine gute Geschichte oder einen guten Film, der noch gezeigt werden möchte.