Verticals: Große Geschichten. Kleines Format - das neue Storytelling?!
Dr. Diana Mantel fasst zusammen:
Der Andrang war groß beim TOP:Talente-Berlinale-Talk am 19.2. in der Bayerischen Vertretung in Berlin - das Thema “Verticals” zog die Gäste in seinen Bann! Sind Verticals das Erzählformat von morgen oder doch nur ein Trend, der schnell wieder verschwindet?
Darüber diskutierten:
Will Buckingham, Screenwriter, Script Consultant, Vertical Drama Projects
Sara Günter, stellv. Programmgeschäftsf. bei funk, Formatentwicklerin im ZDF “Kleines Fernsehspiel”
Dr. Darko Jakovljevic, Startup Verticals
Carsten Meyer-Grohbrügge, Regisseur Daily/Verticals
Meriem Rebai, Gründerin der auf Verticals spezialisierten Agentur reelistiq
Gregor Sauter, Produzent Red Pony Pictures
Petra Kohnen, Dozentin, Journalistin, geschäftsführender Vorstand TOP: Talente
Moderation: Wolfgang Cimera, Geschäftsführer Network Movie gmbH, Vorstandsvorsitzender TOP: Talente
Was sind eigentlich Verticals?
Mit dieser Frage startete Moderator Cimera die Diskussionsrunde. Für viele sei der Begriff 'Verticals' noch eher neu. Meyer-Grohbrügge erklärte ihn so: 'Verticals sind eine relativ neue, snackbare Kurzform, die durch ihre schnelle Inszenierung genau auf den Punkt kommt und nicht langweilt. Der Zuschauer wird stets getriggert und bleibt so interessiert.' Noch dominieren die 'soapy stories', wie Buckingham sie nennt, mit Themen, die momentan auch in Romanen erfolgreich sind, wie Paranormal Romance. Doch zunehmend kommen hochwertige Stoffe hinzu.
Die Menschen hinter den Daten
Wer schaut wann was und wie lange? Die richtigen Daten sind bei Verticals entscheidend und bilden meist den Ausgangspunkt der Inhalte. Sauter erklärte, dass viele Verticals einen bestimmten Need erfüllen, etwa Entertainment nebenbei, quasi "empty calories". "Das ist die Stärke, aber auch das Problem der Verticals", sagte Sauter, "sie sind data-driven. Man schreibt nicht einfach eine Geschichte, sondern entwickelt sie anhand der Daten." Darum muss man Verticals immer aus Perspektive der gewünschten Nutzer:innen denken.
Muss man am Ende also das erzählen, was die Daten befehlen? Natürlich nicht, aber es geht um bestimmte Mechanismen, wie Rebai betonte: "Hinter den Daten stehen immer Menschen. Hier zeigen sich klare Erzähl- und Genrewünsche, die man für gute Verticals verstehen muss." Günter ergänzte: "Wir brauchen konstruktive Geschichten, die schnell Aufmerksamkeit binden – das muss jedoch nicht automatisch negativ sein." Letztlich muss die Geschichte überzeugen, wie Buckingham anmerkte: “Data is something we can learn from - but at the same time we need creatives who write good stories.”
Was will Europa?
In Asien sind Verticals längst ein großer Erfolg, und sie erobern gerade Hollywood - aber Europa? Hier tun sich Verticals noch etwas schwer, oft weil sie mit den eher einfachen Geschichten vieler Verticals gleichgesetzt werden. In China beispielsweise dreht sich viel um den "dominanten CEO", der sich in ein armes Mädchen verliebt – ein Klischee, das so beliebt ist, dass es ein eigenes chinesisches Zeichen dafür gibt. Die Vertical-Märkte sind stark national geprägt und spiegeln die kulturellen Vorlieben der jeweiligen Länder wider.
In Europa reagiert man eher ablehnend auf solche Inhalte, aber Rebai erklärte, dass hier die Geschichten fälschlich mit der Erzählweise gleichgesetzt werden – dabei kann man diese mit völlig anderen Inhalten füllen. In Europa sucht man noch nach den passenden Storys. "Europa ist noch in der Testphase", sagte Jakovljevic, aber irgendwann muss man auch hier performen. Jakovljevic entwickelt in seinem Start-up beispielsweise Verticals mit dokumentarischen Inhalten, um so Fakten in vertikaler Erzählweise aufzubereiten.
Kampf der Plattformen und Giganten
Gerade in Zeiten, in denen bei Produktionen stärker aufs Budget geachtet werden muss, bieten Verticals eine gute Möglichkeit, Stoffe mit minimalen Produktionskosten und oft enormen Gewinnen umzusetzen, die schnell und mit kleinen Teams realisiert werden können. Allein Fox Entertainment plant, in den nächsten zwei Jahren über 200 Verticals produzieren zu lassen, und auch andere Produktionsgesellschaften ziehen nach. Entscheidend ist hierbei stets die Monetarisierung - und der Gewinn kann groß sein.
Gleichzeitig konkurrieren Distributionsgiganten miteinander, auch wenn unklar ist, wer hier letztlich gewinnen wird. Plattformen wie TikTok bringen neue Apps speziell für Mikro-Dramen auf den Markt, und Streamingriesen entwickeln gerade zahlreiche Projekte. Die Verbindung zu Social Media ist bei Verticals stets spürbar, und sie können die Lücke zwischen Social Media und Streaming schließen. Außerdem bringen sie große Geschichten auf den kleinen Handybildschirm, wie Meyer-Grohbrügge erklärte: "Dieser kleine Bildschirm ist immer dabei, deshalb braucht es neue Geschichten für ihn.”
Verticals made in Deutschland
Selbst wenn Europa sich mit dem Format noch schwer tut, gibt es bereits erste Verticals, auch aus Deutschland, wie die Serie "European Dreamers” von Kerstin Höckel. Eine junge Amerikanerin reist im Nachtzug als Schaffnerin durch Europa und erlebt dort Abenteuer. Höckel präsentierte den Trailer und die erste Episode: "Alles wurde direkt im Nachtzug gedreht, immer in Bewegung, auf kleinstem Raum. Dieser Stoff ist perfekt für Verticals!" Im Herbst gehen die Dreharbeiten weiter, geplant sind noch viele Folgen quer durch Europa.
Quo vadis, Vertical?
So groß der Hype um die Verticals auch ist – wie sieht ihre Zukunft aus? Derzeit herrscht Wildwest-Stimmung, alles scheint möglich, doch man muss damit auch Geld verdienen. Alte Formate werden dadurch nicht verdrängt; das Kino bleibt, während Verticals eine neue Nische füllen. Sauter riet, die Möglichkeiten genau zu analysieren und die passenden Business Opportunities für sich zu nutzen. Wo auch immer es hingeht – TOP:Talente wird dabei sein, fasste Kohnen zusammen: "Wir bewerten die Verticals nicht – aber wir bilden immer am Puls der Zeit aus!"
Große Geschichten. Kleines Format. Verticals - das neue Storytelling?
TOP: Talente lädt ein zu Berlinale Talk und Branchentreff am Donnerstag 19. Februar 2026 von 11:00 bis 13:00 Uhr
in die Bayerische Vertretung in Berlin, Behrenstraße 21/23
Verticals sind mehr als Hochkant-Videos. Sie verändern, wie Geschichten entwickelt, erzählt und veröffentlicht werden: kurz, emotional, seriell und direkt im Dialog mit dem Publikum. In Asien längst ein Massenmarkt, in Hollywood etabliert – in Europa noch ein Geheimtipp. Das Panel diskutiert, warum Verticals ein neues Erzählsystem sind, welche Chancen sie für Kreative, Reichweite und gesellschaftliche Narrative bieten – und warum jetzt der richtige Moment ist, einzusteigen.
Im T:T-Talk wollen wir wissen, was das Erzählsystem Vertical für Autor:innen, Produzent:innen, Förderung und Demokratie bedeutet. Wir zeigen Beispiele aus unserer Praxis und gehen den Fragen nach:
Was unterscheidet Verticals von Kurzfilm, Serie oder TikTok?
Warum funktionieren Cliffhanger & Call-to-Action so stark?
Wo wird damit bereits Geld verdient?
Warum ist Europa zurückhaltend – und warum liegt genau darin eine Chance?
Können Verticals gesellschaftspolitische Narrative stärken?
Darüber möchten wir informieren und mit unseren Podiumsexpert:innen in den Dialog treten:
Will Buckingham, Screenwriter, Scritp Consultant, Vertical Drama Projects
Sara Günther, stellv. Programmgeschäftsf.bei funk, Formatentwicklerin im ZDF Kleines Fernsehspiel
Gregor Sauter, Produzent Red Pony Pictures
Meriem Rebai, Gründerin der auf Verticals spezialisierten Agentur reelistiq
Dr. Darko Jakovljevic, Startup Verticals
Carsten Meyer-Grohbrügge, Regisseur Daily / Verticals
Petra Kohnen, Dozentin, Journalistin, geschäftsführender Vorstand TOP: Talente
Moderation: Wolfgang Cimera, Geschäftsführer Network Movie gmbH, Vorstandsvorsitzender TOP: Talente
Werden Sie Teil des Austauschs mit Kreativen und Expert:innen aus Innovationsgestaltung, Produktionsstudios, Bildungs- und Fördervereinen sowie Verbänden – und gestalten Sie die Zukunft der Branche mit.
Anmeldungen ab sofort bis 10. Februar 2026 unter: Anmeldung Berlinale 2026
Sie erhalten anschließend eine Bestätigungs-E-Mail mit weiteren Informationen. Achtung: Laut LV-Hausordnung ist die Zahl der Teilnehmenden begrenzt. Bei Überbuchung haben Mitglieder von TOP: Talente Vorrang.


